Ärgern

„Darüber braucht man sich doch nicht zu ärgern!“

Sicher haben Sie diesen Satz schon einmal gehört, als Sie sich mit Freunden oder Arbeitskollegen über Ihren Ärger unterhalten haben. Dabei ärgert Sie doch genau diese eine Sache so sehr. Ihr Ärger scheint manchmal jedoch ungehört, beinahe unwichtig. Und genau das ärgert Sie womöglich noch mehr.

Ärger ist subjektiv. Es geht es nicht um die Frage, ob Ihr Ärger gerechtfertigt ist, sondern um die Tatsache, dass Sie sich über etwas ärgern. Ich weiß, wovon ich rede, lag doch mein eigenes Ärger-Temperament noch vor einigen Jahren völlig unausgeglichen irgendwo zwischen Klaus Kinski und dem Dalai-Lama. Widerstand, Jammern, Kampf und blinder Aktionismus waren oft meine „Geheimwaffen“ gegen meinen Ärger und deren Auslöser. Zudem wusste ich ganz genau, welche Knöpfe ich beim anderen drücken musste, damit dieser in die Luft ging. Und bei mir?
Ich hielt mir selbst den Spiegel vor und ließ meine Ärger-Emotion durch den Filter des Verstandes laufen. Sich clever zu ärgern heißt für mich seither, konstruktiv mit dem erlebten Ärger umzugehen und durch diese Erfahrung zur Gewissheit zu gelangen, bei künftigem Ärger produktiv reagieren zu können und somit auch gleichzeitig die positiven Aspekte des Ärgers zu verstärken. Ja, Ärger kann auch positive Aspekte aufweisen, beispielweise zuweilen motivierend wirken.
 
Meine Beratungs- und Coachingtätigkeit bietet jedoch keine Rechtfertigung, um das Bedürfnis nach Ärger und Streit zu erfüllen. Jedoch bin ich ebenso wenig der Meinung, dass Ärger eine Fehlprogrammierung oder eine schlechte Angewohnheit ist, die man am besten abschalten muss.
Und genau deshalb spreche ich nachfolgend auch nicht über Anti-Ärger, sondern vielmehr über cleveres Ärgern. Steuern wir unsere Ärger-Emotion aktiv und bewusst, um uns letztlich selbst zu helfen.